Urlaubs- und Verhinderungspflege

Was ist Urlaubs- und Verhinderungspflege?

Fallen pflegende Angehörige unerwartet aus, z. B. aufgrund von Krankheit, Urlaub oder anderen Umständen, wird kurzfristiger Ersatz benötigt – Stichwort: Urlaubs- und Verhinderungspflege. Diese kann wochen-, tages- oder stundenweise in Anspruch genommen werden. Die Pflegekasse übernimmt jedoch nur für maximal sechs Wochen jährlich die Unkosten, die durch Urlaubs- und Verhinderungspflege entstehen.

Wissenswert: Unter SGB XI kann nachgelesen werden, welche Voraussetzungen für den Erhalt der Urlaub- und Verhinderungspflege erfüllt sein nachgelesen müssen.

Wer trägt die Kosten für die Urlaubs- und Verhinderungspflege?

Sind die Grundvoraussetzungen erfüllt, werden die Kosten für Urlaubs- und Verhinderungspflege von der Pflegekasse getragen.

Wissenswert: Aufgrund der besonderen Umstände, kann bei der Pflegekasse auch nachträglich ein Antrag auf Urlaubs- und Verhinderungspflege gestellt werden. Um die tatsächlichen Unkosten nachweisen zu können, ist es wichtig, dass alle Belege aufbewahrt werden.

Welche Grundvoraussetzungen müssen für die Kostenübername durch die Pflegekasse erfüllt sein?

Grundvoraussetzung für die Kostenübernahme durch die Pflegekassen im Falle einer Urlaubs- und Verhinderungspflege ist, dass der Pflegebedürftige mindestens Pflegegrad 2 angehört und bis zum Zeitpunkt der Antragsstellung mindestens ein halbes Jahr zu Hause gepflegt wurde.

Wichtig: Seit 01. Januar 2017 werden Patienten nicht mehr anhand von Pflegestufen, sondern anhand von Pflegegraden kategorisiert.
Hier mehr über die Einstufung in Pflegegrade erfahren

Welche Aufwendungen können als Urlaubs- und Verhinderungspflege geltend gemacht werden?

  • Pflegesachleistungen, die durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht wurden.
  • Fahrkosten des vertretenden „Pflegers“
  • Verdienstausfall der privaten Ersatz-Pflegeperson
  • Kosten, die durch die Inanspruchnahme einer Reinigungsfachkraft entstehen usw.

Damit die entstandenen Kosten erstattet werden, muss ein entsprechender Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Der maximale Betrag, der erstattet werden kann, liegt aktuell bei 1.612 Euro.

Für wie viele Tage kann Urlaubs- und Verhinderungspflege beantragt werden?

Pflegenden Angehörigen stehen jährlich maximal 42 Tage (6 Wochen) Urlaubs- und Verhinderungspflege zu. Reichen diese Tage nicht aus, besteht noch die Möglichkeit, Kurzzeitpflege zu beantragen. Hierfür wird der Pflegebedürftige für einige Tage oder Wochen stationär in einer Pflegeeinrichtung aufgenommen.

Wer darf die Urlaubs- und Verhinderungspflege übernehmen bzw. durchführen?

Die reine Urlaubs- und Verhinderungspflege kann von Pflegediensten übernommen werden, aber auch von privaten Personen, solange diese nicht bis zum zweiten Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sind. 

In welcher Höhe können die Kosten für die Urlaubs- und Verhinderungspflege übernommen werden?

Rein für die Urlaubs- und Verhinderungspflege können von den Pflegekassen maximal 1.612 Euro übernommen werden. Reicht dieser Betrag nicht aus, besteht noch die Möglichkeit, 50 % der Leistungen aus der Kurzzeitpflege umzuwidmen. Aber nur, wenn diese noch nicht für das laufende Jahr beansprucht wurden. Dadurch steht eine Gesamtsumme von 2.418 € zur Verfügung. Diese wird aber nur bei nicht verwandten Personen, erwerbsmäßig tätigen Pflegepersonen und/oder Verwandten 2. Grades in voller Höhe ausbezahlt. Allen anderen, die die Verhinderungspflege im häuslichen Rahmen übernehmen bekommen mittelbar nur eine Leistung von bis zu 1.612€. Sind die tatsächlichen Unkosten höher, muss das entsprechend nachgewiesen werden.

Wissenswert: Wurde die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, kann auch die sogenannte Kurzzeitpflege (Dauer: 8 Wochen/stationär) beantragt werden. Hierfür übernimmt die Pflegekasse einen Unkostenbetrag von 3.224 Euro jährlich.

Welche Leistungen können unter Urlaubs- und Verhinderungspflege fallen?

Unter Urlaubs- und Verhinderungspflege können verschiedene Leistungen der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Grundpflege fallen, wie z. B.

  • Hilfe bei der Körperpflege
  • Kochen
  • Hilfe bei der Mobilität
  • Bettwäsche wechseln
  • Staubsaugen usw.

Achtung, Medizinische Behandlungspflege fällt nicht unter Urlaubs- und Verhinderungspflege.

Urlaubs- und Verhinderungspflege und Pflegegeld

Bekommen pflegende Angehörige Pflegegeld, reduziert sich der Betrag um 50% während Urlaubs- und Verhinderungspflege (ab einer Betreuungszeit von über 8 Stunden täglich) in Anspruch genommen wird (ab 2. Tag der Verhinderungspflege bis zum vorletzten Tag.)